Berwartstein
Der
Berwartstein ist eine der am meisten besuchten Burgen der Pfalz. Die
bewohnte und bewirtschaftete ehemalige Reichsburg, auf einem hohen
Sandsteinfelsen gelegen, wird erstmals im Jahre 1152 erwähnt,
als König Friedrich I. die Anlage Bischof Gunther von Speyer
als Lehen überließ.
Seit Beginn des 13. Jahrhunderts sind auch Ministerialen bekannt,
die sich nach der Burg benannten.
Neben
dem ersten bekannten Berwartsteiner Rudolf (1201) ist insbesondere
ein Ritter Walter, genannt "Knechtelin", zu erwähnen,
der sich ausdrücklich als "Herr von Berwartstein" bezeichnete.
Angeblicher Landfriedensbruch durch Eberhard von Berwartstein, Hugo
von Fleckenstein und Nikolaus von Lützelburg wurde 1314 der Wehranlage
zum Verhängnis, denn nach fünfwöchiger Belagerung glückte
den Truppen der Reichsstädte Straßburg und Hagenau die
Einnahme der Burg. Die Belagerer begnügten sich keineswegs mit
der Wegnahme aller Vorräte und der Gefangennahme der 25 bis 30
Verteidiger, sondern zerstörten auch die Burg.
Von
diesem Schlag sollte sich die Besitzerfamilie nicht mehr erholen,
denn die Auslösung der Gefangenen und die immensen Kosten des
Wiederaufbaues der Burg zwangen Anselm von Berwartstein im Jahre 1343
zum Verkauf der Burg.
Die Käufer, die Herren von Weingarten, erfreuten sich aber nicht
allzu lange ihres Besitzes. Vier Jahre später überschrieben
sie für 800 Pfund Heller die Wehranlage an das Peterstift der
Stadt Weißenburg.
Die
nächsten 150 Jahre waren durch permanente Streitigkeiten zwischen
den von den Weißenburger Äbten zur Burghut eingesetzten
Niederadeligen und den benachbarten Herren von Drachenfels wegen strittiger
Weiderechte gekennzeichnet. Diese Schwierigkeiten eskalierten im Jahre
1472, als die Eckbrechte von Dürkheim, die den Drachenfels zu
dieser Zeit in Besitz hatten, den Berwartstein im Handstreich besetzten
und den Burgvogt gefangennahmen. Die Kurfürsten von der Pfalz,
die bereits lange vor diesen Ereignissen das Öffnungsrecht am
Berwartstein erworben hatten, erzwangen die Herausgabe der Feste von
den Dürkheimern. Sie waren aber gleichwohl nicht bereit, die
Burg ihren rechtmäßigen Eigentümern, dem Stift, zurückzugeben.
Kurfürst Philipp I., der Aufrichtige, verlieh den Berwartstein
1480 kurzerhand an den thüringischen Ritter Hans von Trotha (Hans
Trapp) und verkaufte sie fünf Jahre danach an den zum kurpfälzischen
Marschall aufgestiegenen Thüringer.
Der
neue Eigentümer baute die mittelalterliche Anlage aus. Er verstärkte
die Befestigungen mit modernen Vorwerken, Rondellen und Bastionen
sowie dem alleinstehenden Geschützturm "Kleinfrankreich"
auf dem nahegelegenen Nestelberg. Trotz aller Bemühungen gelang
es den Weißenburger Äbten nicht, den Berwartstein zurückzuerhalten.
Die Stellung des Hans von Trotha im politischen Spektrum jener Jahre
war derart gesichert, daß selbst ein päpstlicher Bann und
Vermittlungsbemühungen Kaiser Maximilians erfolglos blieben.
Die Erben des 1503 verstorbenen kurpfälzischen Marschalls wurden
in den folgenden Jahren zwar gezwungen, einzelne Dörfer, Ländereien
und Rechte dem Stift zurückzugeben, jedoch verblieb Burg Berwartstein
in ihrem Besitz. Von 1545 bis 1637 war die Feste in der Hand der Herren
von Fleckenstein, bis sie, zwischenzeitlich durch Brand beschädigt,
wieder an Kurpfalz zurückfiel.
Der
neue, von Kurpfalz eingesetzte Lehnsherr, der kurfürstlich mainzische
Geheime Rat Freiherr von Waldenberg, ließ ab 1652 die Ländereien
wieder bepflanzen und den Wirtschaftshof neu erbauen. Dennoch blieb
der Großteil der Burg, die "verbrannt und zum Steinhauffen"
geworden war, weitgehend Ruine. Der Versuch der kurpfälzischen
Verwaltung, den neuen Lehnsherren und dessen Erben zum Wiederaufbau
zu nötigen, scheiterte an den immensen Baukosten.
1785
verjagten und enteigneten die Franzosen den waldenburgischen Erbpächter
kurzerhand, bevor 1816 das Königreich Bayern die Rechtsnachfolge
antrat.
1840 erhielt die Witwe des letzten Freiherren die Burgruine zurück,
verkaufte aber ihren Besitz bald darauf. Der Berwartstein verdankt
sein heutiges Aussehen weitgehend dem wiederaufbau, den Theodor Hoffmann,
gen. von Baginsky, am Ende des 19. Jahrhunderts veranlasste.