Gräfenstein
Der Gräfenstein
wurde möglicherweise um 1200 an einem alten Grenzpunkt der Diözesen
Speyer, Worms und Metz errichtet. Die Oberburg, auf einem zwölf
Meter hohen Felsplateau erbaut, ist der älteste Teil der ovalen
Wehranlage und dürfte mit jener Burg identisch sein, die erstmals
1237 in einer leiningischen Teilungsurkunde als "castrum Grebinstein"
ausdrücklich erwähnt wird. Burg und Herrschaft gelangten
bei Teilung in den Besitz der älteren Linie der Grafen von Leiningen,
die nach 1250 die südliche, weitläufige Unterburg erbauen
ließen.
Die Grafen
von Leiningen übertrugen die Verwaltung von Burg und zugehörigem
Gebiet einem Beamten, der als "Viztum" (von vicedominus,
also "Statthalter anstelle des Herren") bezeichnet wurde.
Dieser hatte seinen Amtssitz auf der Burg.
Die Leininger erfreuten sich jedoch nicht lange uneingeschränkt
der Einkünfte von Burg und Amt Gräfenstein, denn permanente
Geldschwierigkeiten zwangen zu vielen Verpfändungen von Teilen
der Burg oder der Herrschaftsrechte.
1317
übernahm mit den Grafen von Leiningen-Dagsburg eine andere Linie
des Grafengeschlechtes die Burg, doch war dies keineswegs das Ende
der Verpfändungen und Teilungen. Im Jahre 1367 war Friedrich
V. von Leiningen-Dagsburg sogar gezwungen, 7/8 der Feste und der Herrschaft
an Kurfürst Ruprecht I. von der Pfalz zu verkaufen.
Kurpfalz trachtete in den folgenden Jahren mit allen Mitteln danach,
das noch in fremden Händen befindliche, restliche Achtel zu erwerben
und sich das wichtige "Öffnungsrecht" an der Anlage
für immer zu sichern.
Doch
ebenso wie die Grafen von Leiningen betrachtete auch Kurpfalz die
Burg im Regelfall vorwiegend als verwertbare Immobilie, und so nimmt
es nicht wunder, daß Anteile in der Folgezeit an die Grafen
von Sponheim (1371), an Hanemann von Sickingen (1393), an die Markgrafen
von Baden (1420) und endlich im Jahre 1421 - durch Heirat - an die
Grafen von Leiningen-Hardenburg gelangten.
Obwohl
dieser leiningische Familienzweig, der bis 1535 die Herrschaft innehatte,
die nördliche Unterburg sowie die Zwinger- und Toranlagen erweitern
und verstärken ließ, gelang im Bauernkrieg 1525 dennoch
dem elsässischen Kolbenhaufen eine fast widerstandslose Eroberung.
Das Bauernheer äscherte den Gräfenstein anschließend
ein. Zehn Jahre später gelangte die Burg gegen die Zahlung von
9000 Gulden in die Hand des Pfalzgrafen Ruprecht von Zweibrücken-Veldenz,
der mit einem prächtigen Wiederaufbau begann. Nach seinem Ableben
1544 wurden jedoch der gesamte Hausrat nach Lauterecken verbracht
und die leergeräumte Burg und das Amt erneut von Beamten verwaltet.
Erst zwischen 1560 und 1570 endeten die permanenten Besitzwechsel
mit der Übernahme der Herrschaft Gräfenstein durch die Markgrafschaft
Baden-Baden bzw. Baden-Durlach.
Der Gräfenstein
blieb jedoch nicht mehr lange der Mittelpunkt des Amtes, denn 1635
wurde die Burg während des Dreißigjährigen Krieges
ein Opfer der Flammen. Ruine und Amt verblieben bis zur Französischen
Revolution bei Baden. 1909/10 wurde der langsam, aber stetig voranschreitende
Zerfall des im Volksmund nun "Merzalber Schloß" genannten
Anwesens durch erste Instandsetzungsarbeiten unterbrochen, denen 1936/37
und 1985/86 weitere Restaurierungen und Sanierungen folgten.