Hohenburg
Die Gründungszeit
der in nur kurzer Entfernung von der deutsch-französischen Grenze
auf elsässischer Seite gelegenen Hohenburg ist unbekannt, dürfte
aber spätestens in der Mitte bis zweiten Hälfte des 13.
Jahrhunderts anzusetzen sein.
Der erste
Vertreter einer Hohenburger Familie, der allerdings noch unter dem
Beinamen "Puller" (von Apulien) erschien, war Gottfried
Puller. Er versah 1236 für Kaiser Friedrich II. in Italien militärische
Dienste und dürfte auf diese Weise zu seinem Beinamen gekommen
sein.
Der Name
Hohenburg selbst ist erstmalig 1262 belegt, als Konrad und Heinrich
von Hohenburg Lehnsbesitz an den Speyerer Bischof Heinrich II. überschrieben.
Konrad gilt allgemein als der Minnesänger "Püller"
der Manessischen Liederhandschrift. Heinrich von Hohenburg, wahrscheinlich
ein Sohn des obengenannten Heinrich, wählte nach 1308 eine geistliche
Tätigkeit und widmete sich wohltätigen Stiftungen in Straßburg,
wo die Puller angeblich schon seit 1266 Bürgerrecht besaßen
und mit Burkhard Puller 1299 einen Stettmeister gestellt hatten.
Das 14.
Jahrhundert zeigt die Familie von Hohenburg in einem umfangreichen
Beziehungsgeflecht zu den verschiedensten Herrschaftsträgern
der Umgebung bei einer gleichzeitigen Verfestigung der eigenen Besitzungen,
die sich in der Hauptsache im Unterelsaß und im Gebiet zwischen
Bitsch, Saargemünd und Pirmasens gruppierten.
Deutliche Lehnsbindungen bestanden zum Königtum, aber auch zu
den Grafen von Zweibrücken und von Veldenz und sogar zu den Erzbischöfen
von Köln. Die Bindung an die Pfalzgrafen gewann zunehmend an
Bedeutung, so daß Wirich I. seinen Anteil an der Stammburg Hohenburg
Ruprecht öffnete.
Nach Wirichs Tod übertrug der Pfalzgraf das erledigte Lehnsverhältnis
auf dessen Witwe Vye (= Sophie?) von Wasigenstein. Zunehmende Geldprobleme
dürften der Grund dafür gewesen sein, daß Vye ihren
persönlichen Anteil von einem Viertel der Hohenburg an den Kurfürsten
versetzte und schließlich 1389 die gesamte Anlage überschrieb.
Ruprecht,
mittlerweile König, verlieh 1401 Konrad Puller von Hohenburg
die Burganlage samt Zugehörden. Nicht gerade förderlich
dürfte hinzugekommen sein, daß die Hohenburg 1386 während
der Belagerung und Eroberung des benachbarten Löwensteins von
den straßburgischen Truppen als Quartier benutzt wurde.
Zum zweifellos
bedeutendsten Hohenburger stieg Wirich II. auf, der 1434 die Hohenburg
samt Zubehör seiner Ehefrau Jutta von Schöneck als Wittum
verschrieb. Als besonderer Erfolg war ihm schon 1412 die Rückerlangung
der zwischenzeitlich verlorenen Burg Kleeberg als Lehen Pfalzgraf
Ludwigs IV. gelungen, die dann neben der Hohenburg das zweite Zentrum
eines kleinen Territoriums bildete.
Der Tod
Wirichs II. kennzeichnet das Ende des Aufschwungs des Hohenburger
Geschlechtes. Der jüngere Sohn Richard beschwor einen Konflikt
mit dem Pfälzer Kurfürsten herauf, der mit der Einnahme
der Kleeburg, des Löwensteins, des Nieder-Wasigensteins und auch
der Hohenburg endete. Die Kleeburg wurde als erledigtes pfälzisches
Lehen eingezogen und bildete von nun an mit ihren Zugehörden
ein eigenes Amt.
Das restliche
Erbe der Hohenburger fiel zum kleineren Teil an die Hofwarte von Kirchheim,
die schon 1473 ein unveräußerliches Viertel an der Hohenburg
nebst den Dörfern Klimbach und Wingen mit Zugehörden erhalten
hatten, und zum größeren Teil (darunter der Rest der Hohenburg
sowie die Burgen Löwenstein und Ochsenstein) an Schweikard/Swicker
VIII. von Sickingen, seit 1475 Ehemann von Margarete, der Schwester
Richards.
Um 1504
begann der Sohn Schweikards, Franz von Sickingen, mit einemgroßangelegten
Ausbau der Burg, die ihm seit 1522 allein gehörte. In den bekannten
Auseinandersetzungen des Jahres 1523 gelang es den verbündeten
Truppen Kurfürst Ludwigs V. von der Pfalz, Erzbischof Richards
von Trier und Landgraf Philipps I. von Hessen, nach kurzer Verhandlung
die Übergabe der Hohenburg zu erreichen. Die Anlage wurde für
fast 20 Jahre beschlagnahmt, ehe Schweikard IX., Hans VII. und Franz
Konrad 1542 die Rückgabe erreichten. Franz Konrad begann mit
dem Wiederaufbau bzw. Umbau, der noch nach seinem Tod um 1578 nicht
abgeschlossen war.
Sein
Sohn Friedrich begründete eine eigene Linie Sickingen-Hohenburg,
die jedoch schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts ihren Schwerpunkt
nach Vorderösterreich verlagerte und ihre Residenz faktisch aufgab.
Die nun
bedeutungslos gewordene Hohenburg wurde im 30jährigen Krieg durch
schwedische Truppen beschädigt und endgültig 1680 durch
die Franzosen unter Montclar zerstört. Besitzansprüche der
Familie Sickingen-Hohenburg gegen die Reunionskammerbeschlüsse
scheiterten letztmals 1834/36.