Nanstein
(Landstuhl)
Der Nanstein
gehört zu den bekanntesten Burgen der Pfalz. Diesen Ruhm verdankt
die Burg einer spektakulären Belagerung im Jahre 1523, bei welcher
der damalige Burgherr Franz von Sickingen den Tod fand.
Der Fall des Nanstein war sichtbares Symbol und Endpunkt für
den Niedergang der Burgen in der Pfalz.
Sicherlich
ist die Burg älter, als die erste urkundliche Erwähnung
von 1189 vermuten läßt, doch ist die oft genannte Jahreszahl
1162 nicht mit letzter Sicherheit bewiesen. Albert von Nanstein, ein
Lehensmann der Reichsministerialen von Bolanden, ist der erste Ministeriale,
der sich 1190 nach der Anlage benennt.
Weitere
Ministerialen begegnen uns in der Mitte des 13. Jahrhunderts, die
den Namenszusatz "Nannestein", "Nannenstuhl" oder
auch "Nannestal" führten. Zu diesem Zeitpunkt befand
sich die Burg im Besitz der Wildgrafen von Dhaun zu Oberstein und
gelangte nach deren Aussterben 1322 als erledigtes Reichslehen an
die Grafen von Zweibrücken-Bitsch. Diesen Rechtsakt, den der
Gegenkönig Friedrich der Schöne vorgenommen hatte, korrigierte
ein Jahr später König Ludwig der Bayer, der den Nanstein
dem Raugrafen Konrad IV. verlieh.
Im 14.
und 15. Jahrhundert teilte sich eine Burggemeinschaft in den Besitz
des Nanstein: Als Gemeiner begegnen uns die Grafen von Sponheim, Veldenz,
Leiningen und Zweibrücken sowie die Wildgrafen und Ritter Heinrich
Eckbrecht von Dürkheim.
Vor allem
am Anfang und am Ende des 15. Jahrhunderts fanden die bedeutsamsten
Besitzwechsel statt. Im Jahre 1409 verpfändeten die Grafen von
Sponheim ihren Anteil am Nanstein an das elsässische Geschlecht
der Puller von Hohenburg. Dieser Burgteil gelangte auf dem Erbwege
1482 in die Hand der Herren von Sickingen, da der kurpfälzische
Großhofmeister Schweikhard von Sickingen die letzte Hohenburgerin
geheiratet hatte.
Aus dieser
Ehe ging der berühmte Franz von Sickingen hervor, dessen Wirken
nicht nur für den Nanstein schicksalhaft wurde. Der Reichsritter,
der 1504 das Erbe des im Bayrischen Erbfolgekrieg gefallenen Vaters
angetreten hatte, erwarb ab 1518 nach und nach die gesamte Burg. Sofort
begann Franz von Sickingen mit umfangreichen Um- und Neubauten, die
vorwiegend dem Zweck dienten, den Nanstein feuerwaffentauglich zu
machen. Von besonderer Bedeutung war die Errichtung des "Großen
Rondells", das zu den stärksten Geschütztürmen
seiner Zeit zählte. Ähnlich wie seine Zeitgenossen hielt
Franz von Sickingen den modernisierten Nannstein für militärisch
sicher.
Im sogenannten
Reichsritterkrieg zwischen Franz von Sickingen und den Kurfürsten
Ludwig V. von der Pfalz und Erzbischof Richard von Trier sowie dem
Landgrafen Philipp I. von Hessen wurde die Burg 1523 belagert und
von der Artillerie der Fürsten stark beschädigt. Franz von
Sickingen erlitt in den Trümmern des großen Rondells eine
so schwere Verletzung, dass er bald darauf verstarb.
Im Auftrag
der Pfalzgrafen verwalteten kurpfälzische Amtleute aus Kaiserslautern
den eroberten Nanstein sowie das sickingische Groß- und Kleingericht.
Erst 1542 erhielten die Söhne Franz´ den Nanstein als Lehen
der Kurfürsten von der Pfalz zurück und begannen mit dem
Wiederaufbau. Der Enkel des Reichsritters, Reinhard von Sickingen,
vollendete 1595 den Bau, von dem ein Stich des bekannten Kupferstechers
Matthäus Merian überliefert ist.
Auch
im Dreißigjährigen Krieg spielte die Burg eine Rolle. Nach
dem Fall von Kaiserslautern im Jahre 1635 zog der kaiserliche General
Gallas vor die Tore Landstuhls und zwang die Verteidiger, Stadt und
Feste zu übergeben. Kaiserliche Truppen hielten das sickingische
Territorium bis 1643 besetzt und übergaben es dann lothringischen
Einheiten, die sich dort festsetzten.
Dies wurde der Burg zum Verhängnis, denn Kurfürst Karl Ludwig,
der die Lothringer 1668 mit Waffengewalt vom Nanstein vertrieben hatte,
ließ die Befestigungen schleifen. Endgültig zerstörten
französische Truppen 1689 die Burg. Seit
dem 18. Jahrhundert verfiel der Nanstein zusehends. Dem gebot man
erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts Einhalt und führte erste
Sicherungs- und Freilegungsmaßnahmen durch. In den dreißiger
Jahren unseres Jahrhunderts und in der jüngsten Vergangenheit
folgten weitere Sanierungen.