Wasigenstein
Burg
Wasigenstein nahe der pfälzisch-elsässischen Grenze hat
als angeblicher Schauplatz des Kampfes von Walther gegen Gunther und
Hagen im Rahmen des Walthariliedes besonderen Ruhm erlangt. Ob diese
Episode tatsächlich hier gespielt hat, bleibt allerdings ungewiß.
Die ersten
belegten Vertreter eines Rittergeschlechtes von Wasigenstein waren
Nachkommen der Marschälle und Ritter von Hagenau, die seit dem
Jahre 1161 urkundlich nachgewiesen sind. Die Söhne Engelhards
von Hagenau, Friedrich und Seman, nannten sich erstmals 1270 nach
Burg Wasigenstein. Die Burg selbst, d.h. der östliche, ältere
Wasigenstein, wurde somit jedenfalls vor 1270 errichtet.
1291
leistete Friedrich von Wasigenstein zusammen mit vier anderen Beteiligten
finanzielle Bürgschaft für den in die Gefangenschaft des
Herzogs von Lothringen geratenen Heinrich von Windstein. Durch die
Aufspaltung der Familie in mehrere Linien kam es 1299 und 1306 zu
zwei Erbteilungen, deren Texte noch erhalten sind. In unmittelbarem
zeitlichen Zusammenhang mit diesen Verträgen steht der Ausbau
der Stammburg, die spätestens seit dieser Zeit in eine "neue"
und eine "alte" Burg unterschieden wurde. Doch starben bereits
in der Mitte des 14. Jahrhunderts beide Familienzweige im Mannesstamm
aus. Ihr Erbe fiel zwischen 1350 und 1370 an die benachbarten Herren
von Fleckenstein und von Hohenburg.
Da insbesondere
die Fleckensteiner den Wasigenstein als willkommenes Objekt für
Verpfändungen benutzten und häufig als Mitgift verwendeten,
verstärkte sich die schon zu Zeiten der Wasigensteiner vorhandene
Besitzzersplitterung noch mehr. Die ältere Oberburg beherbergte
1463/66 zwölf Burggemeiner mit anteiligen Rechten, die jüngere
Niederburg immerhin noch drei, so daß sich insgesamt 15 Besitzer
zu dieser Zeit nachweisen lassen.
Dies
zog offensichtlich erhebliche Streitigkeiten nach sich, in deren Folge
die Burg außerordentlich häufig belagert und auch erobert
wurde. Erstmals 1385 kam es zu einer Eroberung durch die Herren von
Ochsenstein, 1410 durch die Mauchenheimer von Zweibrücken (obere
Burg), vor 1435 durch Ludwig von Lichtenberg, 1457 durch Pfalzgraf
Friedrich I. (untere Burg), vor 1464 durch Bischof Johann von Speyer
(untere Burg) und schließlich 1468 nochmals durch die Herren
von Lichtenberg (obere Burg).
Nach der letzten Belagerung wird der Wasigenstein nicht mehr als bewohnt
erwähnt und dürfte spätestens seit dem 16. Jahrhundert
offengelassen worden sein. 1711 verkauften die Fleckensteiner ihre
Besitzungen samt der möglicherweise auch noch im Dreißigjährigen
Krieg zerstörten Burg an Hanau-Lichtenberg. Die Ruinen wurden
1878 zum geschützten Denkmal erklärt.