Leben im Mittelalter

    Die dunkle Epoche:

    Rund tausend Jahre umfasst das Mittelalter, die Zeit von der Völkerwanderung bis zur Reformation. Die "dunkle Epoche", so nannten die Humanisten des ausgehenden 15. Jahrhunderts den Zeitraum. Für sie war das Mittelalter gekennzeichnet vom Verfall der Bildung und Kultur. Finster war das Mittelalter in der Tat, es gibt viele Dinge, die das Bild bestätigen: der religiöse Wahn, die Kreuzzüge, Judenpogrome, die Verfolgung Anders-denkender, die bestialischen Strafen wie Rädern, Vierteilen, Teeren und Federn, die Praxis der Folter, die häufigen Fehden und kriegerischen Auseinandersetzungen, die Leibeigenschaft, die Pestepidemien, periodisch auftretende Hungersnöte - eine Zeit des Schreckens.

    Für die einfache Landbevölkerung war das Leben tatsächlich armselig, karg und hart. Doch von ihren Lebensbedingungen wissen wir heute noch immer recht wenig. Über die Lebensumstände der Herrschenden dagegen, Adel und Klerus, ist in Berichten und Urkunden einiges überliefert. Sie schwelgten nicht selten in Luxus, ihr Leben war nach dem Ehrenkodex der Ritter wohl geordnet, die hohe Minne lieferte den geistigen Überbau.



    Die Bevölkerung wächst rapide:

    Um die Jahrtausendwende, das zeigt die sprunghafte Zunahme der Dörfer, muss eine wahre Bevölkerungsexplosion begonnen haben. Die Anzahl der Menschen in Mitteleuropa hat sich in dieser Zeit mindestens verdoppelt. Die Entwicklung des Ackerbaus hielt damit kaum Schritt. Immer wieder kam es zu Hungersnöten. Die Anzahl der Menschen blieb nicht lange so hoch: Für die Dezimierung sorgten unter anderem die Pest 1348/49 und der 30-Jährige Krieg 1618 bis 1648.

    Burgenboom:

    Der Bevölkerungsduck hatte Folgen: Neue Landstriche wurden urbar gemacht, Wälder gerodet, Felder angelegt. Neue Herrschaftssysteme entwickelten sich, der König vergab Lehen an den Adel, der zur besseren Kontrolle überall neue Stützpunkte anlegte. Burgen zum Beispiel, von denen auch in der Pfalz zu dieser Zeit die meisten entstanden - begünstigt durch die Geologie: Die aus dem Wald hoch aufragenden Sandsteinfelsen boten einerseits einen guten Überblick über die Region, andererseits ließen sie sich aber auch meist hervorragend verteidigen. Die Pfalz war bis gegen Ende des 12. Jahrhunderts eines der Zentren des "Heiligen römischen Reiches deutscher Nation". Auf der Burg Trifels waren zeitweise die Reichsinsignien - Krone, Zepter, Schwert - aufbewahrt.



    Der edle Ritter:

    Der männliche Adel - die Ritter - lebte nach einem eigenen Kodex: Tapferkeit, Mut, Ehre, Treue, Gerechtigkeit, Schutz für die Schwachen. Das Schwert, der Kampf standen im Mittelpunkt des Handelns, immer wieder erprobt und zur Schau gestellt auf großen Ritterturnieren. Die Treue war die wichtigste Tugend, beruhte doch allein hierauf der Lehnseid zwischen Herrscher und Untertan und damit das ganze Herrschaftssystem. Der Bruch des ritterlichen Eides galt als Verrat der gesamten Ritterschaft. Allerdings: Den Bürgern gegenüber wurde kein Eid geleistet, ihnen gegenüber durften sich Ritter Falschheit und Verrat durchaus erlauben.




    Die hohe Minne:

    Den Geist des Rittertums bestimmte die hohe Minne. Danach hatte der Ritter idealerweise ständig verliebt zu sein - eine Liebe jedoch, die unerfüllbar bleiben musste, galt sie doch in der Regel der Frau eines anderen, oft höher stehenden Adeligen, die dadurch unerreichbar war.

    Der ständige amouröse Zustand der Ritter sollte diese höflicher machen. Die Liebesgedichte der Minnesänger waren die Hauptunterhaltung bei Turnieren und Festen, aber auch an langen Winterabenden auf jeder Burg.