Töpfer - ein altes Gewerbe

    Alles aus Ton

    Bei jeder Ausgrabung in den Ruinen der Burgen der Region finden die Archäologen Scherben - die Überreste des irdenen Geschirrs, das auch im Mittelalter weit verbreitet war. Denn Ton ist ein leicht zu bearbeitendes Material und beinahe überall im Erdreich vorhanden. Es gibt verschiedene Arten der Bearbeitung: Ton läßt sich flach ausrollen und dann in eine Form drücken; flüssiger Ton kann in eine Form gegossen werden; übereinandergelegte wulstförmige Ringe können zu einer Form verbunden werden; eine Tonkugel kann auf einer Drehscheibe mit den Fingern in die gewünschte Form gebracht werden.

    Die verschiedenen Techniken sind seit dem Altertum bekannt. Damit der Ton nicht reißt, muss er vor dem Brennen getrocknet werden. Je nachdem, bei welchen Temperaturen und mit welchen Zutaten der Brand erfolgt, ergeben sich verschiedene Härtegrade, Farben und Glasuren. Im Mittelalter wurde gerne Salz in den Brennofen gegeben. Das darin enthaltene Soda setzte sich als glasige Schicht auf dem Steinzeug ab.

    Geschirr für den Alltag

    Einfache Gebrauchskeramik war in den Haushalten die Regel. Produziert wurden die Becher, Teller, und Schüsseln von zahlreichen Töpfereien, die es überall gab. Daneben gab es auch Vorratsgefäße aus gebranntem Ton: Amphoren mit Henkel für den Wein, Kugeltöpfe und große Kannen. Neben der einfachen Ware gab es in den reicheren Häusern aber auch Prunkkeramik: sorgfältig verzierte Gefäße mit plastischen Auflagen - Figuren, Wappen oder Medaillons mit floralen oder religiösen Motiven - und figurative Wand- und Bodenfliesen.

    Licht ...

    Die Innenräume der Burgen im Mittelalter wurden nur wenig vom Tageslicht erhellt. Die Öffnungen im Mauerwerk waren klein, aus Sicherheitsgründen - kleinere Fenster ließen sich besser verteidigen -, aber auch aus Gründen der Wohntemperatur, denn im Winter konnte die kalte Luft beinahe ungehindert in die Innenräume dringen: Glasscheiben waren teuer und dementsprechend selten. In den großen Versammlungsräumen und in den Fluren und Treppentürmen spendeten Fackeln Licht, die in eisernen Wandhaltern steckten. Für die Wohnräume gab es aber auch kleine tönerne Lämpchen, flache Schalen, mit Öl oder Rindertalg gefüllt, auf dem ein Docht schwamm.

    ... und Wärme

    Offene Feuer, später dann mannshohe Wandkamine, sorgten in den dunklen, im Winter auch oft feuchten Räumen der Burg für etwas Wärme. Mit der Zeit wurde jedoch der Ofen, ein "umschlossenes Feuer", als die weitaus bessere Wärmequelle erkannt. Mit Hilfe der aus Ton gebrannten Kacheln wurde die Wärme gespeichert und langsam an die Umgebung weiter geleitet. Entwickelt hat sich der Kachelofen vermutlich aus dem Backofen der Küche. Bei den ersten Kachelöfen wurden in den ungebrannten Ton hohle Becher eingedrückt, die Öffnung nach außen, damit die Wärme besser ausstrahlen kann. Flache Kacheln mit bildlichen Darstellungen entstanden nach Ansicht der Archäologen erst im 13. oder 14. Jahrhundert. Ende des 15. Jahrhunderts entstand aus der Tätigkeit des Töpfers der spezielle Beruf des Ofenbauers: Mit seinen Formen und dem Dekors entwickelt sich der Kachelofen zu einem Teil der Innenarchitektur.

     

    Funde aus dem Brunnenschacht