Wasserversorgung

    Das Dilemma der Burgenbauer:

    Die mittelalterlichen Burgen dienten in erster Linie der Verteidigung. Sie wurden deshalb mit Vorliebe in strategisch günstiger Position auf Felsen, Bergspornen oder Kuppen in der Landschaft errichtet. Das Problem dabei: die Wasserversorgung.

    Regenwasser allein reichte nicht:

    Zisternen, große gemauerte Becken, innen sorgfältig mit wasserfestem Mörtel verputzt und außen mit Stampflehm abgedichtet, dienten auch auf der Burg Lemberg wesentlich zur Wasserversorgung. Bei einer länger dauernden Belagerung jedoch dürften Regenwasserzisternen allein nicht ausgereicht haben.Auf der Burg Lemberg hat der Burgherr deshalb zu einem bislang noch unbekannten Zeitpunkt (geschätzt wird die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts) damit begonnen, einen Brunnen zu graben.

    Einer der tiefsten Schachtzisternen der Region:

    Etwa drei Jahre nach Beginn der Ausschachtungen, schätzen die Experten, waren die Arbeiter in einer Tiefe von 94,8 Metern angekommen und hatten damit einen der tiefsten Schächte auf den Burgen der Region gegraben. Quellwasser fanden sie in dieser Tiefe aber immer noch nicht. In der Karlstaler Felszone - so nennen die Geologen die Schicht - wäre das wohl auch einem Wunder gleich gekommen. Der Burgherr muss damals etwas geahnt haben. Denn vermutlich schon bevor die Sohle erreicht wurde, ließ er von einer Quelle am Burghang einen Stollen in Richtung Schacht graben.

    131 Meter lang verläuft er auf drei Viertel seiner Ausdehnung mehr oder weniger geradlinig in südöstliche Richtung, macht dann einen Knick um 25 Grad, um dann mit einigen kleineren Richtungskorrekturen die Schachtzisterne zu treffen. Von der Quelle und einem weiteren Sickerwassersystem, das von einem Seitenstollen erfasst wurde, staute sich das Wasser zurück und füllte den Schacht wie eine Zisterne.

    Mühsal der Brunnenbauer:

    Das Graben war harte Arbeit. Immerhin hat die Schachtzisterne einen Durchmesser von 1,93 bis 2,68 Metern, der Stollen ist auf weiter Länge etwa 2,5 Meter hoch und im Durchschnitt etwa einen halben Meter breit. Schwarzpulver zum Sprengen der Felsen, soviel konnten die Wissenschaftler nachweisen, wurde nicht benutzt, Schacht und Stollen wurden allein mit Hammer und Meißel vorangetrieben.



    Nach der Zerstörung:

    Mühsam war auch die Ausgrabung vor allem der Schachtzisterne. Der war nämlich seit der vollständigen Zerstörung der Burg 1689 bis oben hin mit Müll vollgeschüttet worden - Müll, der zumindest im unteren Bereich einigen Aufschluß über Hausrat, Bewaffnung und Technik auf der Burg zur Zeit der Zerstörung lieferte. Von 1993 bis 1996 wurde der Schacht wieder frei gelegt. Der Stollen dagegen war in weiten Teilen über die Jahrhunderte zugänglich.

    Fundstücke aus dem Brunnenschacht